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Risikovorsorge: Erfolgreiche Prävention führt zu späterer Vernachlässigung künftiger Risiken

Risikovorbeugung als Dauerthema

Datum:
19.03.2026
Rubrik:
Berichte
Rechtsgebiet:
Risiko-Management / Präventionsberatung, Wirtschaft
Thema:
Erfolgreiche Prävention
Stichworte:
Business, Erfolgreiche Prävention, Management, Risiken, Risikomanagement, Risikominderung, Risikovorsorge, Vernachlässigung
Autor:
LawMedia Redaktion
Verlag:
LAWMEDIA AG

Summary

Erfahrungsgemäss neigen Menschen dazu, die Verwirklichung von Gefahren, auch sog. Vorwarnungen, zu übersehen:

  • Risiken werden nicht erkannt.
  • Risiken werden ignoriert.
  • Die Wahrscheinlichkeit des Risikoeintritts wird zu gering eingestuft.

Die Verwirklichung einer Gefahr ist oft schlagartig eingetreten, mit all ihren menschlichen, rechtlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Folgen.

Dann ist es zu spät und man frägt sich dann: «Was wäre gewesen, wenn …?»

Die psychologische Formel

Die Menschheit ist heute informierter und kann auch viel Voraussagen machen, aber bestimmte Gefahren lassen sich nicht oder nicht mit treffsicherer Genauigkeit – zeitlich – prognostizieren.

Bestimmte Vorfälle lassen sich erwarten, nur weiss man nicht, wo diese eintreffen und wen sie betroffen machen.

Dies ist die Schwierigkeit von Prognosen bei Unfällen und deren Kettenreaktionen.

Der Mensch strengt sich an, wenn die Ziele folgende Kriterien beinhalten:

  • Das Ziel hat wertvoll und attraktiv zu sein
  • Das Ziel soll begehrenswert sein.

Bei Absenz einer dieser Faktoren, sinkt die Motivation, so dass die «Risikovorkehr» vernachlässigt wird.

Die Psychologie liefert eine «Formel:»

  • Leistungsmotivation = Erwartung x Wert.

Übersicht mit KI

Leistungsmotivation = Erwartung x Wert

Die Formel Leistungsmotivation = Erwartung 

 Wert (nach Atkinson & Heckhausen) besagt, dass Handlungsbereitschaft nur entsteht, wenn ein Ziel als wertvoll/attraktiv empfunden wird (Wert) und die subjektive Wahrscheinlichkeit hoch ist, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen (Erwartung). Ist eine Komponente null, sinkt die Motivation auf null. 

Kernkomponenten der Formel:

  • Erwartung (Erfolgswahrscheinlichkeit): Die subjektive Einschätzung, ob man fähig ist, eine Aufgabe erfolgreich zu bewältigen.
  • Wert (Anreiz/Attraktivität): Wie erstrebenswert das Ziel oder der Erfolg ist (z. B. Stolz, Belohnung). 

Wichtige Aspekte:

  • Multiplikative Verknüpfung: Beide Faktoren müssen positiv sein. Eine hohe Erwartung bei null Wert (unwichtiges Ziel) oder ein hoher Wert bei null Erwartung (unmögliches Ziel) führt nicht zu Leistungsmotivation.
  • Risiko-Wahl-Modell: Leistungsmotivation resultiert aus dem Konflikt zwischen der Hoffnung auf Erfolg (Wert Erwartung) und der Furcht vor Misserfolg.
  • Anwendung: In der Praxis (Schule/Beruf) ist Motivation steigerbar, indem man die Erfolgserwartung erhöht (Passung der Schwierigkeit) und den Wert der Aufgabe verdeutlicht.

Risiko-Erfahrung

Das Problem an der Sache:

  • Die «Praxis»-Erfahrung erlangt man tatsächlich erst, wenn etwas passiert ist.

Solange kein Unglück geschehen ist, bewirkt dies ebenfalls eine Erfahrung:

  • Bis jetzt ist immer alles gut gegangen.

Gefahrenhinweise und Warnungen werden daher nicht gehört:

  • Tritt das Risiko nicht ein, verpuffen die Hinweise und haben oft keine Konsequenzen.

Es bleibt daher ein Konflikt zwischen Risikoanalyse und latenten Gefahren, die sich erst später verwirklichen.

Die Prävention darf nicht vergessen werden

Eine erfolgreiche Prävention lässt die Risiken mit der Zeit unterschätzen.

  • Veränderte Verhältnisse von geübter Prävention und neuen Entwicklungen
    • Andere Materialien
    • Andere Nutzungen
    • Andere Verhaltensweisen der Nutzer
  • Fehlen neuer Vorschriften (+ Tests) im Hinblick auf veränderte Verhältnisse
    • Neue Materialien
    • Neue Nutzungen
    • Neue Verhaltensweisen der Nutzer
    • Keine zB Brandresistenz-Test von Materialien zur Brandvermeidung
    • Fehlende neue Bewilligungs- und Materialvorgaben, Verwendungskontrollen + Behördenabnahmen
  • Lockerung der Vorschriften wegen vermiedener Gefahrenrealisationen
    • Lange keine Brandkatastrophe.
    • Schlimmes konnte bisher verhindert werden.
    • usw.

Die Dauer reduziert die Erinnerung an nicht alltägliche Gefahren

Ohne Zwischenfall wird angenommen, bisher erlittene oder festgestellte Gefahren eines Brandes seien heute weniger wahrscheinlich.

Fazit

Die Quintessenz von Risiko- / Gefahrenverhinderungshandlungen sind:

  • Risikovorkehren und Kontrollen werden erst nach schlimmen Vorfällen verstärkt wahrgenommen.
  • Präventionsverhalten ohne (Material-)Bewilligungen und periodische Kontrollen gehen mit der Zeit vergessen.
  • Statistische Fakten für Risikovorkehren werden – ohne Kontrollvorgaben – mit der Zeit vernachlässigt.
  • Der eigenen Erfahrung zu vertrauen, ist oft ein Fehler.

Eine erfolgreiche Prävention führt paradoxerweise oft dazu, dass vorhandene Risiken mit der Zeit unterschätzt oder nicht mehr gewahr werden.

Quelle

LawMedia Redaktionsteam

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