LAWINFO

Testament / Letztwillige Verfügung

QR Code

Unterschrift

Erstellungsdatum:
30.09.2022
Aktualisiert:
15.11.2022
Rechtsgebiet:
Herausgeber:
Logo Partnerfirma
Verlag:
LAWMEDIA AG
Hinweis:
Diese Kommentierung war früher eine eigenständige Infowebsite und ist nun hier auf www.law.ch – unserer neuen Plattform für Recht, Steuern und Wirtschaft in der Schweiz zu finden.

Identifikationserfordernis sowie Ausdruck des Testierwillens

  • Unterschrift
    • Unterschriftenzweck
      • Die vom Gesetz geforderte Unterschrift hat die gleiche Zielsetzung wie die Eigenhändigkeit:
        • Die Identifikation des Testators bzw. Erblassers ist notwendig, damit das Testament zugeordnet werden kann (vgl. BGE 57 II 15, Erw. 1).
    • Pseudonyme, Initialen, Verwandtschaftsbezeichnungen etc.
      • Zulässig ist nebst der gebräuchlichen Unterschrift auch die Verwendung von
        • Pseudonymen
        • Initialen
        • Nicknames
        • Verwandtschaftsbezeichnungen (zB «Eure Mutter»)
        • Funktionsbezeichnungen
        • nur der Vorname (zB spezieller Vorname mit Bekanntheitsgrad)
        •  
    • Wille und Identifikation
      • Erforderlich ist weiter, dass aus der Unterzeichnung des Testaments
        • einerseits der Wille zur Errichtung eines Testaments ersichtlich und
        • andererseits die Identifikation möglich ist
      • BGE 56 II 245, Erw. 1; BGE 57 II 15, Erw. 1
    • Briefkopf
      • Ebenso genügt offenbar die Unterschrift «der Obige», solange aufgrund des Briefkopfs oder der vor­hergehenden Nennung ersichtlich ist, wer testiert hat (vgl. COTTIER JEAN-PIERRE, a.a.O., S. 105)
    • Fingerabdruck oder Handzeichen ungenügend
      • Ein Handzeichen oder ein Fingerabdruck genügt hingegen nicht (vgl. ZK-ESCHER, N 13 zu Art. 505 ZGB; BREITSCHMID PETER, a.a.O., Rz 559).
  • Leserlichkeit der Unterschrift?
    • Identifikationszweck
      • Eine Leserlichkeit der Unterschrift ist nur insoweit erforderlich, als es zur Identifikation des Erb­lassers notwendig ist (vgl. BSK-BREITSCHMID, N 5 zu Art. 505 ZGB).
    • Anders aussehende Unterschrift
      • Auch anders als üblich aussehende Unterschriften schaden nicht, solange die Identifi­kation möglich ist.

Literatur

  • Unterzeichnung als Testierwille und zur Identifikation
    • BSK-BREITSCHMID, N 5 zu Art. 505 ZGB
    • BK-TUOR, N 24 Art. 505 ZGB
    • ZK-ESCHER, N 15 zu Art. 505 ZGB
  • Briefkopf
    • COTTIER JEAN-PIERRE, Le Testament olographe en droit suisse, Diss. Lausanne 1960
  • Fingerabdruck oder Handzeichen ungenügend
    • ZK-ESCHER, N 13 zu Art. 505 ZGB
    • BREITSCMID PETER, Formvorschriften im Testamentsrecht, Diss. Zürich 1982
  • Leserlichkeit
    • BSK-BREITSCHMID, N 5 zu Art. 505 ZGB

Stellung der Unterschrift

Die Unterschrift sollte am Testamentsende platziert sein, dass sie den ganzen verfassten Text deckt:

  • Anforderung an die Platzierung der Unterschrift
    • Infolge der Strenge der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist darauf zu achten, dass die Unterschrift
      • unter dem Text gesetzt wird;
      • bei Platzmangel am Rand neben dem Textende hingeschrieben wird (vgl. BGE 85 II 565 ff.)
  • Einleitende Selbstnennung ohne Unterschrift
    • Ohne Unterzeichnung ist nicht ausreichend (vgl. BGE 135 III 206, Erw. 3.5 = Pra 2009, Nr. 77, S. 155
  • Kuvert mit Unterschrift und unterzeichnetes Testament
    • Eine Unterzeichnung bloss des Briefumschlags, welcher das Testament beinhaltet, ist nur dann ausreichend, wenn eine genügende Verbindung zwischen Testament und Umschlag besteht (vgl. BGE 51 II 370 ff.; BGE 40 II 190, Erw. 4)
    • Als blosse Inhaltsangabe: nicht ausreichend
    • Wenn der Text auf dem Testamentsumschlag eine Fortsetzung der letzten Zeile des Testaments bildet: ausreichend (vgl. BGE 51 II 370 ff.; BGE 40 II 190 ff.)

Literatur

  • Allgemein
    • WOLF STEPHAN / HRUBESCH-MILLAUER STEPHANIE, Schweizerisches Erbrecht, 2. Auflage, Bern 2020, § 14, Rz 406 ff., S. 121 f.
  • Strenge Unterschrifts-Platzierung
    • BK-TUOR, N 25 zu Art. 505 ZGB
    • WOLF STEPHAN / GENNA GIAN SANDRO, SPR IV/1, S. 203
  • Platzierung der Unterschrift
    • LENZ MARTIN, in: Abt Daniel / Weibel Thomas, Praxiskommentar Erbrecht, Basel 2019, N 11 zu Art. 505 ZGB
  • Einleitende Selbstnennung ohne Unterschrift
    • HASENBÖHLER FRANZ, Zur Problematik der Formelemente beim Testament im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: ZBJV 1995, S. 175
  • Kuvert mit Unterschrift und ununterzeichnetem Testament
    • BSK-BREITSCHMID, N 6 zu Art. 505 ZGB
    • ZK-ESCHER, N 14 zu Art. 505 ZGB

Vorbehalt / Disclaimer

Diese allgemeine Information erfolgt ohne jede Gewähr und ersetzt eine Individualberatung im konkreten Einzelfall nicht. Jede Handlung, die der Leser bzw. Nutzer aufgrund der vorstehenden allgemeinen Information vornimmt, geschieht von ihm ausschliesslich in eigenem Namen, auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko.

Urheber- und Verlagsrechte

Alle in dieser Web-Information veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Das gilt auch für die veröffentlichten Gerichtsentscheide und Leitsätze, soweit sie von den Autoren oder den Redaktoren erarbeitet oder redigiert worden sind. Der Rechtschutz gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen Einrichtungen. Kein Teil dieser Web-Information darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – sämtliche technische und digitale Verfahren – reproduziert werden.