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Arbeitsverhinderung / Lohnfortzahlung

Zweifelhafte Arbeitsunfähigkeit

Datum:
23.12.2010
Rechtsgebiet:
Herausgeber:
Verlag:
LAWMEDIA AG
Hinweis:
Diese Kommentierung war früher eine eigenständige Infowebsite und ist nun hier auf www.law.ch – unserer neuen Plattform für Recht, Steuern und Wirtschaft in der Schweiz zu finden.

Indizien, die gegen Arbeitsunfähigkeit sprechen

Beim Arbeitgeber können aus verschiedenen Gründen Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers entstehen:

Zweifel wegen Arbeitnehmerverhaltens

  • Widersprüchliche Aktivitäten des Arbeitnehmers
  • Erwerbs- oder Konkurrenztätigkeit
  • Vorankündigung der Arbeitsunfähigkeit
  • Weigerung der Befreiung des Arztes vom Berufsgeheimnis
  • Verfängliche und/oder wiederholte Zeitpunkte der Arbeitsunfähigkeit
    • Montags oder freitags
    • Bestimmte Wochen- oder Kalendertage
    • Zwischen 2 Feiertagen
    • Vor oder nach den Ferien
    • Nach grösseren Festivitäten
      • im Ort
      • im Freizeitclub des Arbeitnehmers
    • nach Differenzen
      • mit dem Vorgesetzten
      • mit Arbeitskollegen
  • häufiger Arztwechsel
  • Eintritt der Arbeitsfähigkeit kurz vor der Anberaumung des Besuchs beim Vertrauensarzt
  • Wechselnde leichte Unpässlichkeiten
  • Arztzeugnis eines „doc holiday“ (Arzt, der für die Ausstellung von Gefälligkeitszeugnissen bekannt ist)
  • Abwesenheiten von zu Hause bei Krankheiten mit Bettzwang
  • Erklärungsbedarf des Arbeitnehmers
  • zB Pflege eines alleinstehenden Arbeitnehmers bei Bekannten

Zweifel wegen Fehlerhaftigkeit des Arbeitsunfähigkeitszeugnisses

  • Formelle Fehlerhaftigkeit
    • Fehlende Unterschrift des Arztes
    • Ausstellungsdatum fehlt
    • Behandlungsdatum fehlt
    • Untersuchte Person kann nicht zweifelsfrei identifiziert werden
    • Nachträgliche Ergänzung des Arztzeugnisses macht dieses beweisrechtlich zu einem Dokument mit der Bedeutung wie wenn es ursprünglich vollständig ausgestellt worden wäre!
  • Materielle Fehlerhaftigkeit
    • Unterbliebene Untersuchung
    • Übermässige Rückdatierung
      • Rückdatierung nur mit gewissenhafter Prüfung und max. bis 2 Tage zulässig
      • Übermässige Rückdatierung macht Arztzeugnis beweismässig wertlos, da
        • Arztzeugnis-Vorlage bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses, welches eine Arbeitsunfähigkeit auf den Kündigungszeitpunkt bestätigt
        • Rückdatierung auf einen Konsultationstermin 14 Tage früher, den der Arbeitnehmer nicht wahrnahm
    • Fragliche Untersuchungsergebnisse
      • Attest eines Arztes für Diagnose ausserhalb seines Fachgebietes
      • Befund ist unzureichend
      • Befund stimmt nicht mit der Diagnose überein
      • Diagnose stimmt nicht mit der bescheinigten Arbeitsunfähigkeitsdauer überein
      • Behandelnder Arzt kann Unstimmigkeiten nicht beantworten oder ausräumen
      • Fehlende Objektivierbarkeit von Krankheitssymptomen spricht weder für noch gegen das Bestehen der
      • Krankheit
    • Sich widersprechende Arztzeugnisse
      • Richter
      • muss im Rahmen der freien Beweiswürdigung entscheiden, welchen Aerztestandpunkt er übernimmt
      • kann eine Oberexpertise anordnen

Nachweis der Arbeitsunfähigkeit

  • Nachweis der Arbeitsunfähigkeit mittels Zeugen
    • Einvernahme des Arztes von Amtes wegen
    • Einvernahme des Arztes auf Antrag des Arbeitgebers
    • Einvernahme des Arztes auf Antrag des Arbeitnehmers
    • Einvernahme
      • des Arztes als sachverständige Zeuge
      • nahestehender Personen des Arbeitnehmers
      • von Krankenkontrolleuren
      • von Detektiven
  • Nachweis der Arbeitsunfähigkeit mittels Parteiaussage
  • Nachweis der Arbeitsunfähigkeit mittels Gerichtsgutachtens

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