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VR-Haftung / Haftung des Verwaltungsrats

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Verjährung und Verwirkung

Erstellungsdatum:
02.08.2012
Aktualisiert:
18.10.2022
Rechtsgebiet:
Stichworte:
Herausgeber:
Logo Partnerfirma
Verlag:
LAWMEDIA AG
Hinweis:
Diese Kommentierung war früher eine eigenständige Infowebsite und ist nun hier auf www.law.ch – unserer neuen Plattform für Recht, Steuern und Wirtschaft in der Schweiz zu finden.

Einleitung

Die Geltendmachung von Verantwortlichkeitsansprüchen wird unter verschiedenen Titeln und Regeln bestimmt:

Zivilrechtliche Verjährungs- und Verwirkungsfristen

Der Anspruch auf Schadenersatz gegen den persönlich haftenden Verwaltungsrat verjährt (Art. 760 OR):

  • in 5 Jahren (relative Verjährungsfrist)
    • ab Kenntnis des Schadens
    • und Kenntnis der ersatzpflichtigen Person.

Das Bundesgericht setzt den Beginn des Fristenlaufs für indirekt geschädigte Gläubiger (und Aktionäre) an das Datum der Auflage des Kollokationsplanes;  

  • nach Ablauf von 10 Jahren vom Tag an, an welchem das schädigende Verhalten erfolgte oder aufhörte (absolute Verjährungsfrist);

Déchargeerteilung durch die Generalversammlung

Die GV der Aktionäre kann die Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrates beschliessen (Art. 698 Ziff. 5 OR). Mit der sog. Déchargeerteilung anerkennt die Gesellschaft, dass sie für die betreffende Periode keine Ansprüche aus fehlerhafter Geschäftsführung gegen den VR hat.

Die Entlastung wirkt nur

  • gegenüber der Gesellschaft
  • gegenüber Aktionäre, die dem Beschluss zugestimmt haben
  • für bekannt gegebene Tatsachen (Art. 758 OR)

Aktionäre, die dem Entlastungsbeschluss nicht zugestimmt haben, müssen allfällige Ansprüche gegen den VR aus aktienrechtlicher Verantwortlichkeit innerhalb von 6 Monaten geltend machen, ansonsten erlischt das Klagerecht.

Strafrechtliche Verfolgungsverjährung

Stellt das schädigende Verhalten gleichzeitig eine Straftat dar, verjährt der Anspruch auf Schadenersatz frühestens(Art. 760 Abs. 2 OR)

  • mit Eintritt der strafrechtlichen Verfolgungsverjährung, oder
  • frühestens innert 3 Jahren ab Eröffnung eines erstinstanzlichen Urteils

Je nach Schwere der Tat kommen die folgenden strafrechtlichen Verjährungsfristen zur Anwendung:

  • 15 Jahre bei Strafandrohung Freiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren;
  • 10 Jahre bei Taten mit Freiheitsstrafe von 3 Jahren
  • 7 Jahre in den übrigen Fällen

Verwaltungsrechtliche Verjährung

Forderungen aus Verrechnungssteuer

  • Relative Verjährungsfrist:
  • Absolute Verjährungsfrist:
    • umstritten, da keine Bestimmungen dazu im VStG; teils Annahme einer Verjährungsfrist von 10 Jahren in Analogie zum MWST-Gesetz;
    • keine absolute Verjährung von Verrechnungssteuerforderungen gemäss Bundesgericht;

Forderungen aus Mehrwertsteuer

Forderungen aus Gewinn- und Kapitalsteuer

AHV-Beiträge

BVG-Beiträge

Die Artikel 129–142 des Obligationenrechts (Verjährung) sind anwendbar.

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