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Anlegerschutz

Retrozessionen

Datum:
07.01.2013
Stichworte:
Herausgeber:
Verlag:
LAWMEDIA AG
Hinweis:
Diese Kommentierung war früher eine eigenständige Infowebsite und ist nun hier auf www.law.ch – unserer neuen Plattform für Recht, Steuern und Wirtschaft in der Schweiz zu finden.

Retrozessionen zugunsten des externen Vermögensverwalters

Folgende kurze Zusammenfassung soll Ihnen das komplexe Thema der „Retrozession“ resp. Bestandes(pflege)kommission insbesondere bei Einsatz eines externen Vermögensverwalters (auch unabhängiger Vermögensvewalter [UVV) näherbringen]:

Begriff

Die „Retrozession“ ist eine Leistung der Bank (in Form Geld, Naturalleistung oder Vergünstigung) an den unabhängigen Vermögensverwalter (UVV) für die Zuführung oder Bestandespflege von Kunden und / oder Vermögenswerten

Rechtsverhältnisse

  • Kunde – Vermögensverwalter
    • Vermögensverwaltungvertrag
    • Anlageberatungsauftrag
    • Andere Aufträge
  • Kunde – Bank
    • Kontoführung
    • Depotführung
    • Handelsgeschäft (Wertpapier-Transaktionen)
    • Finanzprodukte-Kauf oder – Verkauf
  • Bank – Vermögensverwalter
    • Retrozessionsvereinbarung für Kunden- / Vermögenszuführung und / oder Bestandeserhaltung

Retro-Informations- und Herausgabepflicht

  • Der UVV ist gestützt auf OR 400 Abs. 1 verpflichtet, alle erhaltenen Retrozessionen (inkl. Bestandespflegekommissionen) abzurechnen und abzuliefern (und nicht nur dann, wenn sich der Kunde gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung tatsächlich auf Veranlassung des UVV für die Bank entschieden hat)
  • Die Bank trifft (aus Treuepflicht, infolge der datenschutz-rechtlichen Offenlegungspflicht und wegen der FINMA-Massnahme 2012/41 vom 26.11.2012) ab sofort die Pflicht, den Kunden über Retro-Abrede und Retro-Zahlungen zu informieren.

Retro-Herausgabe-Verjährung

Der Retro-Herausgabeanspruch gegenüber dem UVV verjährt nach 10 Jahren seit Beendigung des Vermögensverwaltungsvertrags (umstritten)

Retro-Verzicht

  • Der Verzicht auf die Erstattung der Retrozessionen durch den Anlagekunden gilt heute als zulässig; er ist indessen an Faktorenkenntnis-Voraussetzungen gebunden:
    • Retrozessionssatz
    • Transaktionsumfang
    • Transaktionsvolumen
    • Maximalbetrag
  • Abschätzung des mutmassl. Retrozessionsvolumens aufgrund bekanntgegebener Bandbreite

Retro-Interessenkonflikt

Eine Retro-Abrede führt beim UVV und bei der Bank zu latenten Interessenkonflikten (Churning, Auswahl der Finanzprodukte [mit den höchsten Gebühren bzw. Retrozessionen] etc.)

Retrozessionen und Strafrecht

Der UVV, der die Abrechnungs- und Herausgabepflicht für Retrozessionen bzw. Bestandes(pflege)kommissionen nicht erfüllt, kann sich dadurch ungetreuen Geschäftsbesorung und möglicherweise sogar des Betrugs schuldig machen.

Weiterführende Informationen

Haben Sie:

  • Ideen zur Optimierung?
  • Technische Probleme?

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