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Stille Reserven

Erstellungsdatum:
01.06.2012
Aktualisiert:
24.11.2022
Rechtsgebiet:
Herausgeber:
Logo Partnerfirma
Verlag:
LAWMEDIA AG
Hinweis:
Diese Kommentierung war früher eine eigenständige Infowebsite und ist nun hier auf www.law.ch – unserer neuen Plattform für Recht, Steuern und Wirtschaft in der Schweiz zu finden.

Begriff

Die Stillen Reserven beinhalten Werte der AG, die nicht durch die Rechnungslegung ausgewiesen werden; sie sind also aus der Bilanz nicht ersichtlich.

Funktion

Die Bildung stiller Reserven bezweckt:

  • Schaffung von Spielraum bei der Rechnungslegung
  • Auffangen vorübergehender negativer Geschäftsentwicklungen
  • Nachteile
    • Auflösung stiller Reserven durch den VR wird nur vom fachkundigen und befassten Aktionär erkannt
    • Stille Reserven verzögern meistens sofortige Sanierungsmassnahmen, da das Management vorerst die bilanziellen Zahlen durch Auflösung stiller Reserven schönen kann

Entstehung

Stille Reserven entstehen durch

  • Zu vorsichtige Bewertung von Aktiven
  • Wertberichtigung
  • Rückstellungen
  • Übermässige Abschreibungen

Arten

Nach der Entstehungsart wird unterschieden in:

  • Zwangsreserven (OR 672): resultierend aus den gesetzlichen Bewertungsvorschriften
  • Bewertungsreserven (vgl. OR 665, 665a, 666, 667669 Abs. 1 und 2): Einhaltung der gesetzlichen Bewertungsregeln erweist sich nachträglich als zu vorsichtig
  • Verwaltungsreserven (vgl. OR 669 Abs. 3):  Vorsichtsreserven des VR

Schranken der Reservenbildung

Die Voraussetzungen, unter denen die Reserven gebildet und von der Revisionsstelle geprüft werden müssen, sind:

  • Rücksichtnahme auf das dauernde Gedeihen der AG
  • Interesse an der Ausrichtung einer möglichst gleichmässigen Dividende unter Berücksichtigung der Interessen der Aktionäre (vgl. OR 669 Abs. 3)

Zwei Schranken grenzen die Reservenbildung ein:

  • Verletzung des Massgeblichkeitsprinzips, wonach Unterbewertungen, unangemessene Abschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen von den Steuerbehörden nicht zu akzeptieren sind
  • Unzulässigkeit der Bildung stiller Reserven bei börsenkotierter Gesellschaften

Auflösung und Publizitätsverpflichtung

Die sog. gewillkürte Auflösung stiller Reserven erfolgt durch VR-Beschluss und ist im Anhang zu Erfolgsrechnung und Bilanz publik zu machen (vgl. OR 663b Ziffer 8). Die Revisionsstelle hat zu überprüfen, ob die AG über eine genügende buchhalterische Kontrolle der stillen Reserven verfügt (vgl. auch OR 716a, Abs. 1, Ziffer 3, wonach diese Aufgabe zu den unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des VR zählt).

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